
Seit nunmehr 39 Jahren wird an ihr gebaut, an der Experimentierstadt Arcosanti. Knapp 110 Kilometer nördlich von Phoenix, Arizona gelegen, soll sie ihren Einwohnern irgendwann das perfekte Leben bieten. Denn Arcosanti soll ganz und gar anders sein, als diese Moloche wie New York City, Berlin oder Tokyo. Eine Stadt gemacht nicht für Arbeiter und Kapitalismus, sondern für Menschen.
Ein Modell eines Teils der Stadt.
Erdacht wurde das Konzept von dem italienischen Architekten Paolo Soleri, der auch einst das moderne Konzept der Arkologie entwickelte und mit Größen wie Frank Lloyd Wright zusammenarbeitete. Der Gedanke hinter Arcosanti ist ein ganz einfacher: Auf knapp 340 Hektar Grund, gelegen mittem im Nirgendwo, soll eine Stadt entstehen, die Architektur und Ökologie auf symbiotische Weise vereint. Die 5000 Menschen die diese in nicht allzu ferner Zukunft bevölkern sollen, werden nicht auf Autos oder lange Fußmärsche angewiesen sein. Denn die Stadt soll sich nicht wie moderne Städte in die Breite entwickeln, sondern in die Höhe. Wer in der Stadt wohnt und arbeitet, wird nach Möglichkeit direkt über seiner Arbeitsstätte leben oder wird gerade mal das Haus verlassen und um eine Ecke gehen müssen. Es soll eine Welt sein, die kompakt ist, einfach und menschenfreundlich.
Auch sollen die Menschen sich zusammen finden: Überall wird es öffentliche Plätze und Piazzas geben, die zum Zusammensein einladen. Doch vor allem: der einzigartige Stil, das Design der Stadt ist auf seine Umgebung abgestimmt. Die Gebäude passen sich in die Umwelt ein; heben sich nicht ab, sondern vermitteln ein seltsames Gefühl der Zusammengehörigkeit. Es scheint, als wären die futuristisch wirkenden Bauten schon immer dort gewesen.
Einer der sogenannten Vaults; ein Bogen, in dem die Menschen zusammenfinden sollen.
Doch geht es mit dem Bau von Arcosanti schleppend voran. Schon 1956 hatte Paolo Soleri den Grund gekauft, auf dem das Projekt stattfinden sollte. Dann, 1959, lief das Projekt erst richtig an, es wurden Design-Linien erschaffen, unzählige Genehmigungen beantragte und Soleri suchte sich Anhänger und Mitwirkende für die Unternehmung, die mit dem Baubeginn des ersten Gebäudes 1970 richtig begann. Dabei wurden im Laufe der Jahre die Pläne immer wieder verändert und angepasst. So sind derweil alternative Energien ein wichtiger Teil der Stadt geworden: Solarzellen und Biogas sollen die Stadt mit Energie versorgen. Und auch das Internet spielt eine große Rolle. Der sogenannte Teilhard Chardin Complex soll etwa eine Kombination aus Wohn- und Arbeitsbereich für junge Itler und Freischaffende werden, die mit und über das Netz ihr Geld verdienen.
Nebst Gewächshäusern, einem Pool und mehreren Gärten sind bis zum heutigen Tag sind etwa 13 Gebäude fertiggestellt, was etwas zwischen 3 und 5 Prozent des geplanten entspricht. Das ist nicht viel. Doch was bisher entstand, könnte aus einer anderen Welt sein. Die mehrere Stockwerk hohen Gebäude wirken träumerisch und abstrakt und bieten zwischen 80 und 150 Einwohnern eine Heimat. Die Bevölkerung schwank stetig, je nachdem wie viele Unterstützer und vor allem idealistische Studenten an dem Projekt mitwirken. Ob die Stadt jemals fertig wird? Das ist ungewiss, doch eigentlich auch egal. Denn für Paolo Soleri, der auch selbst in Arcosanti lebt, ist sie eher die Verkörperung einer Idee, die weiterhin fortlebt.



Eines der wenigen Fertiggestellten Gebäude.



Baustelle Arcosanti. Stets und ständig wird der Ausbau vorangetrieben. Nicht schnell: doch die Stadt wächst.

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One Comment
Echt starke Leistung auch wenn das alles etwas nach Geisterstadt ausschaut. DIe Idee ist einfach genial. Ich hoffe, die Stadt wird irgendwann wirklich fertig.
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