Weltraumkolonien – Die Visionen der frühen Raumfahrt


In den frühen Jahren der Raumfahrt und der NASA (und auch ihrer Vorgängerorganisation NACA), als das Millennium noch in einiger Ferne lag, träumten Forscher und Visionäre davon, in wenigen Jahren und Jahrzehnten riesige Weltraumkolonien und Raumstationen im All zuerrichten. Unter den Visionären befanden sich etwa John Desmond Bernal, der 1929 die sogenannte Bernal-Sphäre vorstellte. Hierbei handelt es sich um eine Station, die in ihrem Hauptmodul, einer riesigen Kugel, eine erdähnlichen Lebensraum – samt Wäldern, Häusern und Grünflachen usw. - für bis 30.000 Menschen bieten sollte. Sie wäre eine Art Zwischentopp zwischen Erde, Mond und dem Mars gewesen.

Auch der O’Neill-Zylinder ist ein mehr oder minder bekanntes Konzept. Es wurde von einflussreichen Physiker Gerard O’Neill erdacht, da er die Besiedlung fremder Himmelskörper wie Mond oder Mars für unrentabel hielt. Stattdessen, so seine Ansicht, sollte man künstliche Kolonien im All errichten und dauerhaft bewohnen. Seiner Vorstellung nach wären dieses gigantische, bis zu 30 Kilometer lange und 7 Kilometer breite Zylinder, die durch agrawirtschaftliche Anbauflächen, Nutztierhaltung, Wasserreservoire, Lichtreflexionssysteme und riesige Solarpanele autark bestehen und Wohnraum für mehrere Hunderttausende bis zu einigen Millionen Menschen Wohnraum bieten könnten.

Nicht gar so gigantisch fielen die Pläne für den Stanford Torus – L5 - aus, der, wie der Name vermuten lässt, 1975 an der Stanford University vorgestellt wurde. Bei dieser Raumstation sollte es sich um Donut-förmiges Gebilde handeln, das sich langsam um einen zentralen Mittelbau drehte und, ähnlich wie der O’Neill-Zylinder und die Bernal-Sphäre, einen erdähnlich Lebensraum bieten sollte. Doch statt einer ganzen Stadtbevölkerung sollte der Torus nur knapp 10.000 Menschen beheimaten. Positioniert worden wäre das Gebilde am Lagrange-Punkte L5.

Die NASA-Forscher selbst waren später weit bescheidener als die Visionäre. Sie beschränkten sich, wie die Seiten der Raumfahrbehörde heute zeigen, auf kleinere Außenposten, die aber auch heute noch unmachbar scheinen. Darunter etwa eine Raumstation, welche an die Space Station V aus 2001: Odyssee im Weltraum erinnert oder eine, die stark einem Reißnagel ähnelt. Einzig die Pläne für die Space Station Freedom / Alpha sind wirklichkeitsnah. Sie gehen auf die frühen der 1980er Jahre zurück und bildeten später den Grundstock für die Internationale Raumstation (ISS).

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