Der Selbstmordwald Aokigahara

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Der Aokigahara ist ein Wald, wie ihn sich eigentlich nur Fantasy-Autoren und Regisseure wie Peter Jackson ausmalen können. Eng pressen sich hier am Fuße der Nordseite des japanischen Berges Fuji die Bäume zusammen, wild ranken sich Wurzeln über den Boden und bilden hinterlistige Stolperfallen und verdecken Löcher und Kuhlen in der von Moos überwucherten Erde. Vor allem im Zentrum des 35 Quadratkilometer großen Gebietes dringt Licht nur noch in einzelnen Strahlen durch das Blätterdach. Wer sich einmal hier hinein gewagt hat, der verliert schnell die Orientierung und läuft Gefahr, nicht mehr lebend herauszukommen. Doch viele, die sich freiwillig in den Aokigahara begeben, haben eh schon lange mit ihrem Leben abgeschlossen. Etliche Liebeskranke und Unglückliche haben schon im sogenannten Selbstmordwald ihrer Existenz ein Ende bereitet.

Pro Jahr, so Schätzungen der Behörden, sollen sich etwa 100 Japaner im Aokigahara das Leben nehmen. Sie gehen in den Wald, um sich dort zu erhängen, zu erschießen, die Pulsadern aufzuschneiden oder sich mit Medikamenten, Drogen und Alkohol zu vergiften. Einmal im Jahr führen Polizei und Freiwillige eine Suchaktion nach den Überbleibseln der Toten durch und fördern so zwischen 50 und 70 sterbliche Überreste zu Tage – darunter welche, die schon seit mehreren Jahren dort unbeachtet lagen. Dazu Abschiedsbriefe, Rücksäcke, verlassene Zelte, Stricke, Messer, Schuhe, Kleidung und anderes, was die Lebensmüden im Wald zurückließen. Auch werden an den Wald angrenzende Parkplätze regelmäßig von dort seit Monaten stehenden Wagen geräumt, deren Besitzer eben nie aus der Tiefe des Unterholzes wiederkehrten.
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Begonnen hatte die Selbstmordserie am Berge des Fuji angeblich mit dem Roman Nami no tō – zu Deutsch Der Wellensturm – des Autors Matsumoto Seicho, in dem die schwer verliebte aber gekränkte Heldin an eben jenem Ort Suizid beging. Doch wie Bewohner der Region wissen, war der Wald in Wahrheit seit jeher das Ziel von Selbstmördern. Wieso? Darüber wird schon lange spekuliert. Soziologen und Gesellschaftswissenschaftler erklären dies, mit der Einsamkeit und melancholischen Stimmung, die das Wald gebietet bietet. Gänzlich anderes glauben manch Verschwörungstheretiker. Laut ihnen würde der Wald ein „besonderes Energiefeld“ aufweisen und gar von UFOs heimgesucht werden. Angeblich würden inmitten des Waldes Kompasse, Mobiltelefone und GPS-Geräte versagen. Aus Radios und MP3-Playern würde nur noch ein surrendes Rauschen ertönen. Erfahrungen von Polizei, Wissenschaftlern und Forschern ergeben jedoch anderes.
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(All Pics CC - 1,2,4,5 by Guilhem Vellut, 3 by elminium, 6 by Simon )